Hardert - heute und gestern

Hardert sieht aus wie eine Insel in einem unendlichen Meer grüner Wälder, das seine Brandung fast bis in die Mitte des Dorfes wirft. Von diesen endlosen Wäldern hat es seinen Namen. Hardert hiess in alten Zeiten Harderode, und dieser Name ist voller Harz- und Kienduft, dem Räucherwerk und Gewürz des Waldes.
Die Hardert-Sage berichtet wie folgt: Vom Abend (Westen) kamen drei Männer aus einem volkreichen Land, um für sich und die ihren eine neue Stätte zu bereiten. Sie fanden alsbald inmitten des riesigen Waldes eine Quelle und anderntags eine zweite und so eine Woche lang, jeden Tag eine neue. Sie sprachen untereinander: "Hier lasset uns bleiben". Da holten sie die Altmutter ihres Geschlechtes, dass sie die Quellen segne. Und sie segnete die Stätte mit den sieben Quellen und das Dorf, das hier werden sollte. Die Männer kamen überein und nannten das Dorf Harderode, weil es eine Rodeinsel war in einem Meer von Wald. Die Altvorderen (Ahnen) hatten für jede Quelle einen Namen. Gottvertrauen, Liebe, Rechtschaffenheit, Demut, Fleiss, Ausdauer und Zufriedenheit. Ältere Leute wissen zu
berichten, dass es in Hardert tatsächlich sieben Brunnen gegebenen haben soll. Da man früher die Kostbarkeit des Wassers zu schätzen wusste, wurden die Brunnen geweiht. Sie waren den Menschen heilig. So gab es in alter Zeit das Brunnenfest, das einen ähnlichen
Charakter wie ein Kirchweihfest (Kirmes) hatte.
 

Schwerpunktausgabe Hardert – Grußwort des Ortsbürgermeisters
Veröffentlichung in "Schauinsland" 7/2009

Kaum hat das Jahr begonnen, da ist auch die erste Jahreshälfte schon an uns vorbei geflogen. Die langen Sommerabende verführen zum draußen bleiben, zum gemütlichen Grillen, zu einem kühlen Trunk mit Freunden. Ein frischer Windzug mildert die Schwüle so mancher heißer Sommertage. Zeit für die abendliche Entspannung, Zeit der Zufriedenheit – es ist schön hier zu leben, auf den Höhen des Rheinischen Westerwaldes, in unserer lebenswerten Gemeinde Hardert.

Was alle Einheimischen mit Dankbarkeit registrieren, wird auch von vielen Fremden wieder deutlicher bemerkt. Hardert ist gerade für den Naherholungs-Tourismus ein attraktiver Ort, der in den letzten Jahren viele neue Freunde gewonnen hat. Entscheidend dazu beigetragen hat die gediegene bis gehobene Gastronomie, die Hardert im Vergleich zu vielen anderen Ortsgemeinden eine neue Sonderstellung einräumt. Da ist zunächst das
Restaurant Corona im "Hotel zur Post", das nicht nur an den Wochenenden Publikum aus der Rhein-Ruhr-Region, dem Rhein-Main-Gebiet und dem unmittelbaren Einzugsbereich von Mittelrhein, Mosel und Lahn nach Hardert bringt, das mit dem Ortsnamen Hardert
Erholung und Genuss verbindet. Das überregional bekannte "Café Sonnenau" ist nicht nur geschätzt für seine guten hausgemachten Kuchen und Torten, sondern auch für seine herzliche und familiäre Atmosphäre, die Inhaberin Inge Moll verbreitet. Da ist die
Dorfschänke, Treffpunkt der Ortsvereine und Anlaufpunkt vieler Wandergruppen, von denen die rustikale Kneipenatmosphäre und die gute deutsche Küche geschätzt wird. Schon in den frühen Nachmittagsstunden trifft man viele Freundeskreise und Seniorenwanderer –
auch aus den Nachbargemeinden – bei Peter und Anne Berg.

Als wahrer Publikumsmagnet hat sich die Grillhütte entwickelt, die liebevoll von Melanie Decker betreut, gepflegt und vermietet wird. Pro Jahr sind inzwischen über sechzig Buchungen zu registrieren, davon ca. die Hälfte an auswärtige Gäste. Die Vorbestellungen reichen schon bis in das Jahr 2011. Die gute Auslastung der Grillhütte fördert als angenehmes Nebengeschäft auch die Auslastung der Zimmerkontingente in den Hotels und Gaststätten und den gepflegten Privatpensionen. Dank der überzeugenden Gastronomie, einem lebendigen Vereinsleben mit vielen ehrenamtlichen Helfern hat Hardert seine Attraktivität nicht nur gehalten, sondern sogar gesteigert.

Doch um unseren Ort weiter zu bringen, sind noch viele Schritte zu tun, viel Arbeit liegt vor uns und viele Hände sind nötig. Zwar sind wir an das überregionale Wander- und Radwegenetz angeschlossen, die Anbindungen sind jedoch verbesserungsfähig. Für die Wanderer und Mountainbiker ist Hardert hervorragend erschlossen, die überregionalen Radtouristikwege führen jedoch leider überwiegend an uns vorbei. Diese Anschlüsse müssen jedoch Zug um Zug verbessert und im Benehmen mit unseren Nachbargemeinden Rengsdorf, Bonefeld und Straßenhaus sowie mit weiteren Anliegergemeinden des ubachtales ausgebaut werden. Auch die Dorfentwicklungsplanung geht in die zweite Stufe. Der Antrag auf Anerkennung als
Schwerpunktgemeinde wurde gerade im Gemeinderat verabschiedet, der Schlussteil der Dorfmoderation steht im Herbst an. Die Erhaltung des Ortskerns unserer Gemeinde und die langfristige Verbesserung des Wohnwertes von Hardert sind Aufgaben, die uns in den nächsten Jahren kontinuierlich beschäftigen werden.

Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass nach vielen Jahren der Stagnation jetzt endlich der Ausbau der Bismarckstraße begonnen hat. Bleibt zu wünschen, dass der Kreis auch die finanziellen Mittel findet, um Zug um Zug die Kreisstraßen auszubessern und marode Stellen zu sanieren. Eine weitere Hoffnung setzen wir in den Beginn der Unternehmensflurbereinigung, die unserer Gemeinde viele "verschüttete" Feldwege zurückbringen wird. Mit etwas Glück und Geschick könnten aus unserem Besitzstand neue Flächen entstehen, die im ortsnahen Bereich unsere Gemeinde neue Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Die Voraussetzungen und Bedingungen unserer Gemeinde sind gut, die aufgezeigten Perspektiven vielversprechend, weil wir noch viel Potential zur Verbesserung des Zustandes unseres Ortes haben. Mit unserer "Harderter Geheimwaffe", dem ehrenamtlichen Engagement unserer Bürger, lassen sich alle Zukunftsaufgaben mit Optimismus anpacken.

Mein Dank gilt allen Bürgerinnen und Bürgern, die in den vergangenen Jahren an vielen kleinen und großen Projekten und gemeinnützigen Maßnahmen für unseren Heimatort mitgewirkt haben. Dazu gehört auch ein herzliches Dankeschön an alle ausgeschiedenen Ratsmitglieder, die sich in der vergangenen Legislaturperiode uneigennützig für das Wohl unserer Gemeinde eingesetzt haben.

Ihr
Günter Schreiber
Ortsbürgermeister